„Irgendwas mit Medien…“

Hallo ihr Lieben,

wer von euch auch ein Studium in der Medienwelt für sich auserkoren hat, der kennt das vielleicht. „Ach du studierst also was mit Medien? Was kann man damit denn hinterher machen? Ist man dann nicht gleich arbeitslos?“ Solche Fragen oder auch Kommentare habe ich in den letzten Monaten zu genüge gehört. Ein Studium im Bereich der Medien ist für den „Ottonormalverbraucher“ einfach nur Zeitverschwendung, unnütz und führt ganz sicher nicht zu einer erfolgreichen und finanziell stabilen Zukunft.

Doch warum ist das so? Medien sind in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und das nicht erst seit wir dank mobilem Internet sogar unterwegs mit der ganzen Welt vernetzt sind. Und trotzdem halten es viele nicht für nötig sich genauer damit auseinanderzusetzen. Ganz nach dem Motto „Jeder kann Medien, das braucht man doch nicht studieren!“ Aber ist der Apfel nicht auch schon vom Baum gefallen, bevor Newton die Schwerkraft entdeckt hat? Wieso ist ein Studium der Physik also erstrebenswerter?

Ich studiere an der Philosophischen Fakultät der Uni Bonn, einer nun seit 200 Jahren bestehenden Universität und trotzdem ist mein Studium „nichts wert“, weil es eben keine Naturwissenschaft ist? Weil das Studium nicht automatisch einem Beruf, wie „Lehrer“ oder „Jurist“ zugeteilt ist? Weil es neu ist?

"Irgendwas mit Medien"

Dass Medien in der heutigen Zeit nicht wichtig sind, kann niemand, der noch bei klarem Verstand ist, behaupten. Soziale Medien sind aus dem Marketing fast nicht mehr wegzudenken und sogenannte „Influencer“ wichtiger denn je. Doch auch für die Politik sind Medien wichtig und andersrum genau so. Oft sprechen wir davon, wie die Politik die Medien beeinflusst – meist in negativer Form, durch Zensur oder ähnliches. Aber gleichzeitig haben die Medien einen großen Einfluss auf die Politik – ohne sie, wäre Donald Trump wohl nie Präsident der USA geworden. So ganz ohne politische Erfahrung musste er voll auf den multimedialen Wahlkampf setzen – aus seiner Perspektive ein voller Erfolg.

Und von „Fake News“ und „alternativen Fakten“ brauche ich doch eigentlich gar nicht anfangen, oder? Medien bestimmen (in gewisser Weise) unser Leben, ob wir nun wollen, oder nicht. Und wieso sollte es dann vergeudete Zeit sein sich intensiv mit Medien auseinander zu setzen? Sich dafür zu interessieren, wie der Mensch von der Höhlenmalerei über Buchdruck und Radio hin zu Social Media und Streaming Diensten gekommen ist. Wie Kommunikation im Zeitalter von WhatsApp und Co. funktioniert oder wie sich durch das Internet neue Möglichkeiten in jeglichem Bereich eröffnet haben. Als in den frühen 90er Jahren das World Wide Web online ging, waren immerhin die meisten Menschen der Ansicht, dass sich dieser Trend nicht durchsetzen würde.

Digital Marketing

Ein Studium der Medienwissenschaften bedeutet keineswegs, dass man den ganzen Tag auf Facebook und Co. herumhängt und die Beine hochlegen kann. Es beinhaltet viel mehr auch Mediengeschichte und Praxismodule, die einen Einblick in die Arbeit der Medienproduktion geben.

Abgesehen davon: Wenn Medien nicht wichtig wären, hätte die Bundesregierung dann eine neue „Cybercrime“ Abteilung der Bundeswehr ins Leben gerufen? Wohl kaum. 😉

Ich will nicht behaupten, dass ich in Momenten, wo ich von Bombenangriffen usw. höre nicht daran denke, wie hilfreich die Arbeit von Ärzten und Polizisten ist und dass diese so viele Leben retten (können), während ich in der Uni darüber rede, wie der Fernseher sich seine Position als Mittelpunkt der Wohnzimmers erkämpft hat. Aber wenn es dann darum geht, dass andere Regierungen Fake News einsetzen, um Wahlen zu sabotieren oder ähnliches, dann weiß ich, dass auch Medienwissenschaftler die Welt retten können.

Jeder macht das, was er kann und trägt so seinen Teil dazu bei.

Wenn ihr das nächste Mal also auf jemanden trefft, der „irgendwas mit Medien“ studiert, wertet ihn und seinen Studiengang nicht direkt ab, oder nehmt an, die einzige Zukunftsperspektive wäre Arbeitslosigkeit. Das schöne an der Medienwelt ist doch, dass sie so vielseitig ist und einem nach dem Studium eben tausend Türen offen stehen und man sich immer wieder verändern kann. 🙂

Habt ihr es auch schon erlebt, dass ihr euch für euer Studium oder eure Berufswahl rechtfertigen musstet? Wie habt ihr darauf reagiert? Erzählt mir von euren Erfahrungen! 🙂

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1 Kommentar

  1. Hey Anne,

    super schön geschrieben! 🙂
    Ich glaube, wenn andere an so einem Studium zweifeln, hängt es auch immer damit zusammen, dass es nicht einfach ist, etwas zu studieren, das nicht direkt mit einem einzigen Beruf verbunden ist – das braucht auch Mut. Ich finde diese „irgendwas mit Medien“-Formulierung auch immer super witzig – letztendlich ist so ein Studium ja dann doch konkreter als gedacht, gleichzeitig aber Medien mehr als nur der eigene Facebookaccount !)

    Ganz liebe Grüße,
    Marie

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