Ein Vierteljahrhundert – Gedanken über die Zukunft

Vor einigen Wochen habe ich mich mit Schulfreundinnen getroffen und wir haben in alten Zeiten geschwelgt. Jetzt, wo das Abitur schon fünf Jahre zurück liegt und auch selber für sich reflektiert, was man bisher so geleistet hat, fragt man sich natürlich auch, was da wohl noch so kommen mag.

„Wo sehen Sie sich selbst in 10 Jahren?“

Das ist wohl die gängigste Frage, wenn man an Bewerbungsgespräche denkt. Man sollte meinen, dass die Frage einfach zu beantworten wäre, geht es doch um die eigenen Zukunftspläne. Aber weiß man denn immer so genau, wo man hinwill und was noch kommen soll?

Vor 10 Jahren war ich 15 und meine damals beste Freundin und ich wussten ganz genau, dass wir gemeinsam BWL studieren würden und im Winter mit großem Schal um den Hals und Kaffeebecher in der Hand durch die Uni laufen würden. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist weder die Freundin noch der Studienwunsch geblieben. Nur der Kaffee hat sich bewahrheitet.

„Wie stellst du dir dein Leben in 10 Jahren vor?“

Als mir vor 5 Jahren diese Frage gestellt wurde, war für mich die Antwort auch relativ klar – und weniger verfänglich. Damals beantwortete ich schließlich nur den Fragebogen für meine Abi-Zeitung und keine Interviewfrage eines potentiellen Arbeitgebers. Also antwortete ich ganz unbefangen, dass ich sicherlich verheiratet sein würde und wenn ich nicht schon ein Kind hätte, dann wäre sicherlich eins unterwegs. Der klassische Lebensplan halt. Mit 30 eine Familie zu haben ist doch ziemlich normal – nicht zu früh und nicht zu spät. Sehr gesellschaftsfreundlich.

Aber man kennt das ja, Pläne und Träume ändern sich und es kommt eh immer alles anders als man denkt. Zu dem Zeitpunkt war ich mir schließlich auch noch sicher, dass ich ein Jahr in Amerika verbringen würde. 😉

Heute ist die Hälfte dieser zehn Jahre schon vorbei und von einem beschaulichen Familienleben ist keine Spur.  Anstatt „Karriere“ zu machen und Vollverdiener zu sein, bin ich der Prototyp einer Studentin: knapp bei Kasse, dauernd unterwegs und wohne in einer WG. Bis zu meiner Zukunftsvision von vor fünf Jahren liegt also noch ein weiter Weg.

Zukunftsgedanken
Abifahrt nach Dublin/Killarney, Juni 2011

Wenn ich mich mit Freunden aus der Schule unterhalte, kann ich die unterschiedlichsten Lebenswege sehen. Die einen sind so langsam durch mit dem Master und bereiten sich auf die Arbeitswelt vor, andere haben eine Ausbildung gemacht und arbeiten längst. Wieder andere mussten sich erstmal selber finden und studieren auch noch.
Wir leben in einer kritischen Gesellschaft, die von Ehrgeiz und Leistungsdruck geprägt ist. Wir wollen schneller, besser, schlauer sein und am besten noch ein dickes Gehalt dazu. Und wer eine Lücke in seinem Lebenslauf hat oder gar eine Ausbildung o.ä. abgebrochen hat, der muss sich erstmal erklären. (Wobei ein Abbruch meiner Meinung nach auch ein Zeichen von Stärke sein kann – aber dazu vielleicht an einer anderen Stelle mehr.)

Wenn ich mein Bachelor-Studium beende, bin ich 27 Jahre alt, sollte ich einen Master machen, kann man noch zwei Jahre dazu rechnen.

Aber ist das schlimm?

Ich finde nicht und es macht mich auch nicht wehmütig zu sehen, dass andere in meinem Alter schon Familien gründen, große Karrieren anstreben oder sich gar selbstständig machen. Wenn es um die eigene Zukunft geht, sollte man nicht nach links und rechts, sondern tief in sich selbst schauen. Denn im Leben geht es im Endeffekt doch darum sich selbst und nicht anderen zu gefallen!

2027

Wenn man mich heute fragt, wo ich mich selbst in zehn Jahren sehe, habe ich auch eine klare Antwort: Ich weiß es nicht und das ist auch gut so. Das Leben steckt voller Überraschungen und so gut es auch ist, fokussiert zu sein und einen Plan zu verfolgen, genau so wichtig ist es auch mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Nicht in einen Trott zu verfallen, sondern sich selber immer wieder aufs neue herauszufordern. Vielleicht bin ich in zehn Jahren Hausfrau und Mutter, vielleicht verschlägt es mich zum Radio, Fernsehen oder einer Zeitung. Vielleicht bin ich Langzeitstudent oder vielleicht mein eigener Chef. Egal was die Zukunft mit sich bringt, ich freue mich drauf.

 

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1 Kommentar

  1. Eingängige Gedanken die ich mir so oder in der Form oft auch stelle oder gestellt habe.. schönzu merken das man damit nicht alleine ist!

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